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Beliebte Mythen verzerren die wirtschaftliche Wahrnehmung

Auf einen Blick
- •Sprache spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung wirtschaftlicher Wahrnehmungen.
- •Beliebte Mythen wie "Casino-Wirtschaft" verzerren die Realität des Kapitalismus.
- •Der Kronberger Kreis identifiziert irreführende wirtschaftliche Erzählungen.
- •Kritik an der Energiewende und CO2-Steuer wird hervorgehoben.
- •Deregulierung wird als Lösung für Wohnungsknappheit vorgeschlagen.
Im Bereich der Wirtschaftspolitik geht es im Kampf der Ideen oft um mehr als nur logische Argumente. Die verwendete Sprache kann ein mächtiges Werkzeug sein, das Überzeugungen formt und letztendlich politische Entscheidungen beeinflusst, die verschiedene Gesellschaftssegmente betreffen. Dieser Kampf wird jedoch häufig mit weniger als fairen Mitteln geführt, indem Propaganda und Manipulation in die Diskussion eingeführt werden. Begriffe wie "Sonderfonds" werden verwendet, um die Realität der Verschuldung zu verschleiern, mit erheblichen Konsequenzen. Ähnlich suggeriert der Ausdruck "Sicherheitslinie" in Rentensystemen Instabilität, obwohl Rentner tatsächlich keine niedrigeren nominalen Zahlungen akzeptieren müssen.
Das Problem dreht sich stattdessen um die gerechte Verteilung der Lasten zwischen den Generationen.
Beliebte Mythen spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle, indem sie oft politische Grenzen überschreiten und sich tief im öffentlichen Bewusstsein verankern. Ein solcher Mythos ist die Vorstellung von "Grenzen des Wachstums", die fortbesteht, obwohl Wachstum zunehmend durch Kreativität statt durch die Ausbeutung physischer Ressourcen angetrieben wird. Ein weiterer hartnäckiger Glaube ist die Darstellung des Kapitalismus als "Casino-Wirtschaft", die übersieht, dass Marktwirtschaften Milliarden aus der Armut gehoben haben, während sozialistische Regime, die oft für ihre Fairness gelobt werden, sich in einer prekären Lage befinden. Ökonomen des Kronberger Kreises haben ein "Märchenbuch" wiederkehrender "Unwahrheiten", "Halbwahrheiten", "Verzerrungen" und "Fehler" in der Wirtschaftspolitik zusammengestellt.
Führende Persönlichkeiten wie Clemens Fuest und Justus Haucap kritisieren Argumente zur Energiewende, wie die Behauptung, dass "die Sonne keine Rechnung schickt". Während dies oft als Vorteil gegenüber fossilen Brennstoffen angeführt wird, wird übersehen, dass die Infrastruktur für Solarenergie erforderlich ist, ähnlich wie die Ölförderung ihre eigene Infrastruktur benötigt. Behauptungen, dass die Energiewende zu einem "ökologischen Wirtschaftswunder" führen wird, wie es der ehemalige Kanzler Olaf Scholz vorschlug, werden ebenfalls in Frage gestellt. Fuest warnt, dass die Energiewende bis 2045 bis zu 13 Billionen Euro kosten könnte, da bestehende fossile Infrastrukturen abgebaut werden und kostspielige Ersatzmaßnahmen erforderlich sind. Darüber hinaus wird die CO2-Steuer in Umweltkreisen skeptisch betrachtet, da sie kritisiert wird, die Kosten des Klimaschutzes zu erhöhen und Haushalte unverhältnismäßig zu belasten. Fuest argumentiert, dass marktorientierte Lösungen effektiver sind und das Versagen der Regierung, die Einnahmen wie geplant umzuverteilen, das eigentliche Problem ist.
Das Konzept der "Sonderfonds", wie es vom Ökonomen Lars Feld erklärt wird, ist ein weiteres Anliegen. Diese Fonds tragen in Wirklichkeit zur Staatsverschuldung bei, die letztendlich von den Steuerzahlern getragen werden muss. Trotz einer Staatsausgabenquote von 50 % gibt es nie genug Geld, was einen Mangel an fiskalischer Disziplin widerspiegelt. Berthold U. Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie kritisiert die Verwendung von Begriffen wie "Mietendeckel" als sozial motivierte Maßnahmen. Er argumentiert, dass solche Politiken Wohnungsknappheit verschärfen und schlägt vor, dass Deregulierung und Steueranreize effektiver wären, um das Wohnungsangebot zu erhöhen und die Mieten zu senken. Der Kronberger Kreis schlägt vor, ihre Erforschung wirtschaftlicher Mythen über die anfänglich identifizierten zwölf hinaus auszudehnen, wobei der Ökonom Volker Wieland einen täglichen Kalender wirtschaftlicher "Märchen" für 2026 vorschlägt, um diese Missverständnisse kontinuierlich herauszufordern.
