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CO2-Speicherung unter dem Meer: Wann wird die Infrastruktur gebaut?

Auf einen Blick
- •Deutschland hat die CO2-Speicherung unter dem Meer genehmigt.
- •Der private Sektor wird die notwendige Infrastruktur bauen.
- •Es gibt Umwelt- und finanzielle Herausforderungen.
- •CCS- und CCU-Technologien sind entscheidend zur Emissionsreduzierung.
Der deutsche Bundesrat hat kürzlich eine umstrittene Änderung verabschiedet, die die Speicherung von Kohlendioxid (CO2) unter der Nord- und Ostsee erlaubt. Diese Gesetzesänderung zielt darauf ab, schädliche Treibhausgase in Küstengebiete zu transportieren, wo sie gespeichert oder von verschiedenen Industrien genutzt werden können. Das neue Gesetz skizziert auch die Entwicklung der notwendigen Infrastruktur, um diesen Prozess zu erleichtern. Derzeit ist in Deutschland die Abscheidung und Speicherung von CO2 unterirdisch nur zu Forschungszwecken erlaubt. Die Änderung des Kohlendioxidspeicherungsgesetzes ermöglicht es Unternehmen jedoch nun, diese Technologien auf regulärer Basis zu implementieren. Dieser Schritt ist ein bedeutender Fortschritt beim Aufbau der für die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) erforderlichen Infrastruktur, die als wichtiges Instrument zur Verhinderung des Erreichens von CO2 in der Atmosphäre angesehen wird. Während das Potenzial für CCS beträchtlich ist, spielt auch die als CCU (Carbon Capture and Utilization) bekannte Technologie eine Rolle, indem sie es ermöglicht, CO2 in Produkten wie Feuerlöschsystemen und kohlensäurehaltigen Getränken wiederzuverwenden.
Infrastruktur und Umsetzung
Die Deutsche Presse-Agentur hat die aktuelle Infrastruktur und die Vorbereitungen für den Ausbau untersucht. Obwohl CO2 mit Zügen, Lastwagen und Schiffen transportiert werden kann, gelten Pipelines als effizienter. Laut dem Gas- und Wasserstoffindustrieverband wird CO2 bereits von der Getränke- und Trockeneisindustrie transportiert und genutzt, hauptsächlich mit Lastwagen. Deutschland fehlt jedoch ein industrielles CO2-Pipeline-Netzwerk. Es wird erwartet, dass der private Sektor für den Bau dieser Pipelines verantwortlich sein wird, mit möglicher staatlicher Unterstützung. Im Oktober kündigte Ministerin Katherina Reiche ein sechs Milliarden Euro umfassendes Förderprogramm an, das CCS- und CCU-Technologien umfasst und bis 2026 abgeschlossen sein soll. Mehrere Unternehmen, darunter Open Grid Europe (OGE), arbeiten an Projekten in Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Herausforderungen und Chancen
Trotz vorhandener CO2-Tanks für die Lebensmittelindustrie an Orten wie dem Hamburger Hafen hat Deutschland derzeit keine Speichereinrichtungen, um die zukünftige Nachfrage zu decken. Das Wirtschaftsministerium hat erklärt, dass es keine CO2-Speichereinrichtungen plant oder betreibt und dies privaten Unternehmen überlässt. Im Gegensatz dazu speichern Länder wie Norwegen seit 1996 CO2 unter dem Meeresboden, wobei Unternehmen wie Equinor führend sind. Die Änderung erlaubt es Unternehmen auch, CO2 in erschöpften Öl- und Gasfeldern zu speichern, sofern sie die erforderlichen Genehmigungen erhalten. In den Küstenstaaten wird geplant, wie CO2 effektiv verschifft werden kann. Umweltgruppen haben jedoch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Speicherung von CO2 unter dem Meeresboden geäußert und auf die potenziellen Risiken von Leckagen hingewiesen. Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, wird erwartet, dass die Infrastruktur bis Mitte der 2030er Jahre betriebsbereit ist. Es gibt jedoch Bedenken hinsichtlich der Machbarkeit dieses Zeitplans. Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie hat festgestellt, dass Investitionen nur dann rentabel sein werden, wenn sie sich als profitabel erweisen, was darauf hindeutet, dass CCS möglicherweise nur in bestimmten Regionen wie dem Rhein-Ruhr-Gebiet umgesetzt wird. Darüber hinaus hat der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft darauf hingewiesen, dass private Finanzierung allein nicht für eine umfassende Infrastruktur ausreichen wird. Eine frühzeitige politische Intervention zur Lösung von Finanzierungsfragen wird als wesentlich angesehen, um das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 zu erreichen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Deutschland zwar einen entscheidenden Schritt zur Schaffung einer CO2-Speicherinfrastruktur unternommen hat, jedoch erhebliche Herausforderungen bestehen bleiben. Der Erfolg dieser Initiative wird von einer effektiven Zusammenarbeit zwischen Regierung und Industrie abhängen, sowie von der Bewältigung von Umweltbedenken und der Sicherstellung der finanziellen Tragfähigkeit.
