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Der Amerikanische Traum schwindet: Eine Verschiebung im wirtschaftlichen Gleichgewicht

Auf einen Blick
- •Unternehmensgewinne wachsen 27 Mal schneller als die Kaufkraft der Arbeiter.
- •Das Verbrauchervertrauen bleibt trotz Wirtschaftswachstum niedrig.
- •Der Anteil der Arbeitseinkommen ist erheblich gesunken.
- •Wohneigentum wird für jüngere Generationen zunehmend unerreichbar.
Die Vereinigten Staaten, einst als das "Land der Möglichkeiten" gepriesen, stehen vor einem bedeutenden Wandel, da sich die wirtschaftlichen Ungleichheiten vergrößern. Trotz einer wachsenden Wirtschaft erreichen die Vorteile nicht den durchschnittlichen amerikanischen Arbeiter. Stattdessen steigen die Unternehmensgewinne in einem Tempo, das fast 27 Mal schneller ist als der Anstieg der Kaufkraft der Arbeiter. Diese wachsende Kluft schürt Frustration unter den Amerikanern, insbesondere da der Traum vom Wohneigentum zunehmend unerreichbar wird.
Wirtschaftswachstum vs. Verbrauchervertrauen
Auf dem Papier erscheint die US-Wirtschaft robust. Das BIP steigt, die Arbeitslosenquoten sind niedrig, und die Wall Street bricht weiterhin Rekorde. Doch das Verbrauchervertrauen erzählt eine andere Geschichte. Jüngste Daten der University of Michigan zeigen, dass das Verbrauchervertrauen, obwohl es sich im Februar 2026 leicht verbessert hat, immer noch über 40 % unter dem Niveau von 2020 liegt. Diese Diskrepanz hebt ein kritisches Problem hervor: Die wahrgenommene Stärke der Wirtschaft stimmt nicht mit den Erfahrungen der alltäglichen Verbraucher überein.
Ungleichheit im Lohnwachstum und Unternehmensgewinnen
Seit 2000 sind die Reallöhne in den USA um etwa 12-15 % gestiegen. Im krassen Gegensatz dazu haben sich die Unternehmensgewinne nach Steuern mehr als verfünffacht. Diese Ungleichheit ist ein wesentlicher Faktor für das niedrige Verbrauchervertrauen. Während die Wall Street ihren Erfolg feiert, spürt der durchschnittliche Arbeiter nur einen Bruchteil dieses Wohlstands in seinen eigenen Finanzen.
Rückgang des Anteils der Arbeitseinkommen
Eine wichtige Quelle der Frustration ist der rückläufige "Arbeitsanteil" am Nationaleinkommen - der Teil, der als Löhne an die Arbeiter geht. Historisch stabil bei etwa 63 %, ist dieser Anteil laut Jim Reid, Chefstratege bei Deutsche Bank Research, nun auf etwa 54 % gesunken. Dieser Abwärtstrend, verschärft durch die COVID-19-Pandemie, bedeutet, dass mehr Wohlstand bei Kapitalbesitzern, wie Aktionären und Immobilieneigentümern, akkumuliert wird, während die Arbeiter sinkende Erträge sehen.
Der Immobilienmarkt: Eine Barriere zum Wohlstand
Der Immobilienmarkt veranschaulicht deutlich die Herausforderungen, denen viele Amerikaner gegenüberstehen. Wohneigentum war traditionell ein entscheidendes Mittel zum Vermögensaufbau für die Mittelschicht. Doch die National Association of Realtors berichtet, dass das Durchschnittsalter der Erstkäufer erstmals über 40 Jahre gestiegen ist, verglichen mit unter 30 in den 1990er Jahren. Ebenso liegt das Durchschnittsalter der Wiederkäufer jetzt bei 62 Jahren. Hohe Zinssätze und steigende Immobilienpreise zwingen jüngere Familien zur Miete, was sie daran hindert, während ihrer produktivsten Jahre Eigenkapital aufzubauen.
Breitere wirtschaftliche und soziale Implikationen
Diese strukturellen Probleme - sinkender Arbeitswert und unzugängliches Wohneigentum - schaffen ein Klima anhaltender Unsicherheit. Trotz sinkender Inflationserwartungen, die jetzt bei 3,5 % für das kommende Jahr liegen, bleiben Bedenken über die Erosion der Haushaltsfinanzen und die Arbeitsplatzsicherheit weit verbreitet. Wenn große Teile der Bevölkerung sich vom Wirtschaftssystem benachteiligt fühlen, schwächt dies den sozialen Zusammenhalt. Diese "Anatomie der Unzufriedenheit" könnte langfristigere Auswirkungen auf die USA haben als kurzfristige BIP-Schwankungen.
Fazit
Die US-Wirtschaft wächst weiter, aber sie riskiert, das Vertrauen ihrer Bürger in die "unbegrenzten Möglichkeiten", die sie einst versprach, zu verlieren. Für viele durchschnittliche Amerikaner scheinen diese Möglichkeiten zunehmend unerreichbar. Die Bewältigung dieser Ungleichheiten erfordert einen erneuten Fokus auf gerechte Wirtschaftspolitik, die sicherstellt, dass das Wachstum allen Bürgern zugutekommt, nicht nur einer ausgewählten Gruppe. Während die Nation voranschreitet, wird es entscheidend sein, Lösungen für diese Probleme zu finden, um den Amerikanischen Traum für zukünftige Generationen wiederherzustellen.
