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Private Rentenreform in Deutschland steht wegen Unzulänglichkeiten in der Kritik

Auf einen Blick
- •Die Reform wird als bedeutender Wandel angesehen, benötigt jedoch kühnere Maßnahmen.
- •Der Rat schlägt eine engere Produktpalette und niedrigere Kosten vor.
- •Automatische Anmeldung mit Opt-out könnte die Teilnahme erhöhen.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat die Vorschläge des Bundesministeriums der Finanzen zur Reform der privaten Altersvorsorge als bedeutenden Paradigmenwechsel begrüßt, drängt jedoch auf weitere Anpassungen. In einem Gastbeitrag für die Börsen-Zeitung hob der Rat hervor, dass der Reformansatz grundsätzlich positiv sei, es jedoch an Kühnheit in kritischen Bereichen mangele und Chancen für umfassende Veränderungen verpasst würden. Der Rat betonte die Notwendigkeit, dass Deutschland endlich mutige Reformen in seinem Rentensystem durchführt. Die vorgeschlagene Reform, obwohl vielversprechend, weist laut Ulrike Malmendier, Martin Werding, Milena Schwarz und Claudia Schaffranka vom Rat Lücken auf. Sie argumentieren, dass die Reform den ambitioniertesten Modernisierungsschritt seit der Einführung der Riester-Rente darstellt. Sie bestehen jedoch darauf, dass weitere Änderungen notwendig sind, um einen echten Neustart zu ermöglichen, der Deutschland helfen könnte, mit internationalen Rentensystemen aufzuholen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Vorgeschlagene Verbesserungen
Der Koalitionsausschuss der Schwarz-Roten Regierung einigte sich am 27. November auf die Reform der privaten Altersvorsorge. Der Entwurf des Finanzministeriums wurde am 5. Dezember veröffentlicht, mit einer Kabinettsgenehmigung, die am 17. Dezember erwartet wird. Darüber hinaus plant die Regierung die Einführung eines Frühpensionssystems für Kinder ab sechs Jahren. Die Reform umfasst ein neues steuerlich aufgeschobenes Rentendepot neben bestehenden Garantieprodukten. Die Empfehlungen des Rates zur Verbesserung konzentrieren sich auf drei Schlüsselbereiche: eine engere Produktauswahl mit einer deutlich niedrigeren Kostenobergrenze, die Einrichtung einer unabhängigen Fondsauswahlagentur zur Sicherstellung von Qualität, Kostenkontrolle und Transparenz sowie die automatische Anmeldung aller Bürger mit einer Opt-out-Option zur Erhöhung der Abdeckung. Diese Empfehlungen werden vom Rat als entscheidend angesehen, um die Effektivität und Reichweite des privaten Rentensystems in Deutschland zu verbessern und sicherzustellen, dass es sich stärker an erfolgreichen internationalen Standards orientiert.
