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Deutsche Bundesländer lehnen EU-Wohnungsbauvorschriften ab

Auf einen Blick
- •Deutsche Minister lehnen EU-Vorschriften ab, die den Wohnungsbau betreffen.
- •Hohe Kosten behindern den Wohnungsbau in Deutschland.
- •Neue Initiative 'Gebäudetyp E' für einfachere Standards eingeführt.
- •Kritik am EU-Fokus auf Gebäudeeffizienz wegen Kostensteigerung.
- •Forderung nach Investitionen in erneuerbare Energien statt technischer Aufrüstungen.
Die Bauminister der deutschen Bundesländer haben sich zusammengeschlossen, um die Bundesregierung aufzufordern, zukünftige europäische Vorschriften abzulehnen, die sich negativ auf Bau und Wohnungswesen auswirken könnten. Diese Minister argumentieren, dass neue Regeln und Bürokratie auf europäischer Ebene das Ziel der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum behindern. Ina Scharrenbach, die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung von Nordrhein-Westfalen, äußerte diese Bedenken nach einem zweitägigen Treffen in Würzburg. Die Minister fordern die Bundesregierung auf, sich gegen europäische Vorschriften zu stellen, die nicht mit dem Ziel der Wohnungsentwicklung übereinstimmen. Diese Meinung richtete sich an die Bundesbauministerin Verena Hubertz von der SPD, die ebenfalls an der Konferenz teilnahm. Scharrenbach betonte die Notwendigkeit eines europäischen Pakts, der sich auf den Wohnungsbau konzentriert.
Herausforderungen im Wohnungsbau
Deutschland steht wie viele europäische Länder vor erheblichen Herausforderungen im Wohnungsbau aufgrund hoher Zinssätze, Grundstückskosten und Baukosten. Diese Faktoren haben zu einer Lücke zwischen der benötigten Anzahl an Wohneinheiten und denen, die tatsächlich gebaut werden, geführt. Um diese Probleme anzugehen, stellten Ministerin Hubertz zusammen mit Justizministerin Stefanie Hubig die Initiative "Gebäudetyp E" vor. Dieser Vorschlag zielt darauf ab, Baustandards zu vereinfachen, um effizientere und experimentelle Baumethoden zu fördern.
Kritik an EU-Vorschriften
Die EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) wurde wegen ihres Fokus auf die Effizienz von Gebäuden kritisiert, die laut einigen zu hohen Betriebskosten und kürzeren Lebensdauern von Gebäuden führt. Hamburgs Bausenatorin Karen Pein kritisierte die Richtlinie und schlug vor, dass sie zu viel Wert auf technische Aufrüstungen legt, anstatt auf nachhaltige Energielösungen. Pein plädiert für verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien und neue Heizsysteme. Sie plant, in Brüssel Anpassungen zu fordern, um zu verhindern, dass die Richtlinie zu fehlgeleiteten Investitionen, erhöhten Mieten und negativen Klimaauswirkungen führt. Die EU-Wiederherstellungsverordnung, die darauf abzielt, Ökosysteme zu schützen und den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, wurde ebenfalls dafür kritisiert, dass sie potenziell verfügbares Bauland reduziert. Diese Verordnung, die 2024 in Kraft tritt, könnte laut CDU-Ministerin Scharrenbach den Wohnraum knapper und teurer machen. Die Bauminister haben vereinbart, im nächsten Jahr ein Sondertreffen abzuhalten, um die EU-Prozesse und ihren Einfluss weiter zu bewerten, mit dem Ziel, zukünftige Vorschriften zu verhindern, die zu schlechten Investitionsentscheidungen oder Behinderungen der Bauaktivitäten führen könnten.
