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Amerikas wirtschaftliche Kluft: Wohlstand für die Reichen, Kämpfe für den Rest

Auf einen Blick
- •Die US-Wirtschaft erlebt eine 'Boomcession', bei der das Wirtschaftswachstum hauptsächlich den Wohlhabenden zugutekommt.
- •Die Inflation in essentiellen Bereichen wie Nahrungsmitteln und Wohnen trifft Haushalte mit niedrigem Einkommen überproportional.
- •Der Arbeitsmarkt ist durch einen 'Jobless Boom' gekennzeichnet, mit minimalen Entlassungen, aber wenigen Neueinstellungen.
- •Gewinne am Aktienmarkt kommen Vermögensinhabern zugute, während viele ohne nennenswertes Vermögen zurückbleiben.
Wirtschaftlicher Überblick
Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten durchläuft eine paradoxe Phase, in der trotz starker makroökonomischer Indikatoren ein signifikanter Teil der Bevölkerung sich abgehängt fühlt. Dieses Phänomen, von dem Wirtschaftswissenschaftler Matt Stoller den Namen "Boomcession" geprägt hat, beschreibt eine Situation, in der Wirtschaftswachstum und hohe Börsenstände mit weit verbreiteter finanzieller Unsicherheit unter durchschnittlichen Amerikanern koexistieren. Trotz eines robusten BIP-Anstiegs von über vier Prozent und einer soliden Aktienmarktleistung empfinden viele Bürger die Wirtschaft als rezessiv. Umfragen zeigen, dass sich fast 60 % der Amerikaner so fühlen, was eine Diskrepanz zwischen Wirtschaftsstatistiken und persönlichen Erfahrungen aufzeigt.
Unterschiede bei Inflation und Beschäftigung
Steigende Kosten in essentiellen Bereichen wie Nahrungsmitteln und Wohnen treffen Haushalte mit niedrigem Einkommen überproportional. Zwischen 2020 und 2025 ist die Inflation in diesen Sektoren stärker gestiegen als im Durchschnitt, wodurch die finanziellen Belastungen für bereits kämpfende Haushalte verschärft werden. Heather Berger von Morgan Stanley betont, dass Personen mit geringem Einkommen höheren Inflationsraten ausgesetzt sind als Wohlhabende. Auch der Arbeitsmarkt stellt Herausforderungen dar. Ökonomen beschreiben die aktuelle Lage als einen "Jobless Boom", gekennzeichnet durch minimale Entlassungen, aber einen Mangel an Neueinstellungen. Unternehmen wie Nike, Amazon und UPS haben erhebliche Stellenkürzungen angekündigt, was die Verunsicherung erhöht. Obwohl die Produktivität pro Stunde neue Höhen erreicht hat, könnten Fortschritte in der künstlichen Intelligenz zu weiteren Personalreduzierungen führen.
Börse und Vermögenskonzentration
Der florierende Aktienmarkt nützt hauptsächlich denen mit vorhandenem Vermögen, während die Mehrheit ohne nennenswerte Vermögenswerte außen vor bleibt. Joanne Hsu von der University of Michigan weist darauf hin, dass starke Marktleistungen für diejenigen, die keine Aktien besitzen, wenig bedeuten. Die reichsten 20 % der Haushalte sind für den größten Teil der Konsumausgaben verantwortlich, dennoch wächst die Skepsis gegenüber offiziellen Wirtschaftsdaten, besonders unter denen mit niedrigerem Einkommen oder schlechten Kreditbewertungen. Eine aktuelle Snap Finance-Umfrage hebt hervor, dass viele Personen mit begrenzten finanziellen Mitteln ihre wirtschaftliche Lage als prekär ansehen. Zudem schwindet das Vertrauen in staatliche Statistiken, angefacht durch politische Angriffe auf die Datenintegrität. Die Ökonomin Elizabeth Renter fasst die Situation zusammen: "Mehrere Wahrheiten können existieren." Während die Gesamtwirtschaft solide erscheinen mag, fühlen Millionen, dass sie ihren persönlichen Bedürfnissen nicht ausreichend dient.
Schlussfolgerung
Amerikas wirtschaftliche Erzählung ist zunehmend gespalten. Während makroökonomische Indikatoren Wohlstand suggerieren, zeichnet die gelebte Erfahrung vieler Amerikaner ein anderes Bild. Da die Kluft zwischen den Wohlhabenden und dem Rest größer wird, wird die Bekämpfung dieser Ungleichheiten entscheidend, um eine inklusivere wirtschaftliche Zukunft zu fördern. Die Autorin, Gina Moesing, aus dem Redaktionsteam von wallstreetONLINE, beleuchtet diese Komplexitäten und bietet Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, denen die US-Wirtschaft heute gegenübersteht.

