Article Content
Deutsche Telekom stellt KI-fähige Brille auf dem Mobile World Congress vor

Auf einen Blick
- •Die Deutsche Telekom wird auf dem MWC einen Prototypen einer KI-fähigen Brille demonstrieren, gebaut mit Ray Neo (TCL-Tochter).
- •Das Konzept verwendet die Hardware des Ray Neo X3 Pro und die Magenta AI-Software der Telekom, um Sprache, Blick und Bilderkennung zu kombinieren.
- •Die Telekom positioniert das Gerät als Designstudie und funktionsfähigen Prototyp, nicht als kommerzielle Produktankündigung.
- •Dieser Versuch ist Teil der umfassenderen Strategie der Telekom, Plattformanbieter zu werden und die direkte Kundenbindung zu vertiefen.
- •Es bleibt ungewiss, ob der Prototyp zur Massenproduktion oder zu einem im Handel erhältlichen Produkt mit Telekom-Marke führen wird.
Düsseldorf Deutsche Telekom wird auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ein Prototyp eines KI-fähigen Brillensystems enthüllen, bestätigte das Unternehmen vor der Veranstaltung. Handelsblatt hat Präsentationsunterlagen geprüft, die zeigen, dass die deutsche Telekommunikationsgruppe mit Ray Neo, einer Tochtergesellschaft des chinesischen Elektronikunternehmens TCL, zusammenarbeitet, um ein Konzeptgerät zu präsentieren, das Sprachsteuerung, Computervision und Head-up-Display-Elemente verbindet. Das Prunkstück für die Telekom auf dem diesjährigen MWC basiert auf dem kommerziell erhältlichen Ray Neo X3 Pro. Dieses Modell, produziert von Ray Neo und international ab etwa 1.299 US-Dollar verkauft, verfügt über zwei integrierte Displays, Kameras, Mikrofone und Lautsprecher. Laut dem Briefing der Telekom kombinieren die Brillen Sprachbefehle mit Bilderkennung und visuellen Overlays, die im Sichtfeld des Trägers erscheinen. Die Telekom sagt, die ausgestellte Einheit sei ein funktionsfähiger Prototyp und eine Designstudie und keine kommerzielle Produktankündigung. Ein Unternehmenssprecher betonte das Ziel der Demonstration: verfügbare Hardware zusammen mit der KI-Infrastruktur der Telekom zu nutzen, um zu zeigen, was heute technisch möglich ist, und nicht, einen bevorstehenden Markteintritt in großem Maßstab zu verkünden. Die Hardware wird von Ray Neo geliefert, das von TCLs groß angelegten Kapazitäten als globaler Hersteller von Fernsehern und Display-Panels profitiert. Die Telekom bringt ihre eigene Softwarearchitektur, die unter dem Namen Magenta AI firmiert, in das Projekt ein. Präsentationsmaterialien heben eine agentenartige KI hervor, die sowohl auf Stimme als auch auf Blick reagieren soll: Nutzer könnten Informationen abrufen, Text in Echtzeit übersetzen oder kontextbezogene Hinweise erhalten, die an das gekoppelt sind, was sie ansehen. Die Telekom hat den MWC in früheren Jahren genutzt, um Geräte und Plattformen vorzustellen. Ein früheres Verbraucher-Elektronikprojekt, der Magenta Speaker eine geplante lokale Alternative zu Sprachassistenten wie Amazons Alexa blieb eine Nische und wurde schließlich eingestellt. Das Unternehmen brachte außerdem das T Phone 3 auf den Markt, ein Smartphone mit integriertem KI-Assistenten, obwohl die Telekom keine Verkaufszahlen für dieses Gerät veröffentlicht hat. Mit der KI-Brille versucht die Telekom erneut, über ihr Kerngeschäft im Netzwerk hinaus zu gelangen und sich als Plattformanbieter zu positionieren dieses Mal zielt sie direkt in das Sichtfeld der Nutzer anstatt auf den Lautsprecher im Wohnzimmer. Das Kooperationsmodell ist klar: Ray Neo liefert das physische Gerät und das Fertigungs-Know-how; die Telekom liefert die KI-Integration und die Anbindungen an ihre Dienste. Es bleibt unklar, ob Ray Neo ein Partner für eine mögliche Massenproduktion unter einem Telekom-gebrandeten Produkt wäre. Das Timing der MWC-Demonstration folgt der jährlichen Ergebnispräsentation der Telekom in Bonn, bei der das Management die Finanzzahlen darstellte. Für CEO Timotheus Höttges ist die Präsentation Teil einer größeren strategischen Frage: welche Rolle werden Netzbetreiber in einer Ära spielen, die von generativer KI dominiert wird, wenn US-Tech-Unternehmen zunehmend Geräte und Betriebssysteme kontrollieren? Europäische Anbieter suchen angesichts dieses Wandels eine eigene Position. Vorerst sollten die KI-Brillen als ein explorativer Schritt verstanden werden. Ob das Konzept sich zu einem marktfähigen Produkt weiterentwickelt, das die Marken der Telekom trägt, in großem Umfang verkauft wird und eine neue Einnahmequelle unterstützt, bleibt offen. Klar ist, dass die Telekom die Absicht hat, einen neuen Weg zur Kundenbindung zu testen: die Benutzeroberfläche vom Wohnzimmer in das unmittelbare Blickfeld eines Nutzers zu verlagern.

