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BörsenBlick Markteinblicke
Mieten verlangsamen sich in ganz Deutschland: Mieter wehren sich, da Erhöhungen an Schwung verlieren

Auf einen Blick
- •Der Greix-Mietindex des Kieler Instituts meldet einen jährlichen Anstieg der deutschen Wohnungsmieten von 2,9 % der kleinste seit Ende 2021.
- •Engel & Völkers prognostiziert weiteres moderates Mietwachstum von ungefähr 34 % für das laufende Jahr und bis ins nächste Jahr.
- •Verschiedene Datenquellen (IfW vs. Statistisches Bundesamt) können unterschiedliche Wachstumsraten zeigen; das jährliche Wachstum 2024 wurde vom Statistischen Bundesamt mit 5,9 % angegeben.
- •Treiber der Verlangsamung sind erhöhtes Angebot in einigen Gebieten, Bezahlbarkeitsbeschränkungen für Mieter, Verschiebungen in der Nachfrage und die anhaltenden Effekte höherer Hypothekenzinsen.
- •Der Abkühlungstrend verringert den Druck auf starke Ertragssteigerungen im Immobiliensektor, lässt aber Bezahlbarkeitsprobleme in hochpreisigen Städten ungelöst.
Marktanalyse
München. Nach Jahren schnellen Wachstums haben die Mietpreise für Wohnungen in Deutschland begonnen, an Schwung zu verlieren. Neue Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zeigen, dass der landesweite Anstieg der Angebotsmieten im vergangenen Jahr nur 2,9 Prozent betrug, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Spitzen, die in den Jahren nach 2021 zu beobachten waren. Laut dem Greix-Mietindex des IfW ist dies der kleinste jährliche Anstieg seit Ende 2021.
Branchenbeobachter sagen, dass sich der Trend wahrscheinlich fortsetzen wird. Till-Fabian Zalewski, Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum beim Immobilienmakler Engel & Völkers, erwartet in diesem Jahr einen weiteren moderaten Anstieg von etwa drei bis vier Prozent und rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung im nächsten Jahr. Seine Auffassung spiegelt den Wandel des Marktes von den zweistelligen oder mittleren einstelligen Sprüngen, die in manchen Phasen zu beobachten waren, zu einem moderateren Tempo wider.
Das Statistische Bundesamt meldete in seinen Zahlen für 2024 höhere Zuwächse von bis zu 5,9 Prozent, was widerspiegelt, wie verschiedene Messgrößen und Datensätze unterschiedliche Momentaufnahmen zeigen können. Dennoch deutet der IfW-Index in den letzten Monaten auf ein nachlassendes Momentum hin, das durch eine Mischung von Faktoren getrieben sein könnte: steigendes Angebot an einigen Standorten, Veränderungen in den Migrationsmustern, Bezahlbarkeitsgrenzen und die nachwirkenden Auswirkungen höherer Hypothekenzinsen auf die Nachfrage nach Mietwohnungen.
Für Vermieter und Investoren bedeutet die Verlangsamung einen selektiveren Markt. Während das Mietwachstum keineswegs zusammenbricht, könnte die Verringerung des Tempos die Erwartungen an Ertragssteigerungen verändern und Entscheidungen über Neubau- oder Sanierungsprojekte beeinflussen. Für Mieter bringt die Veränderung nach Jahren steiler Anstiege etwas Erleichterung, obwohl Bezahlbarkeitsprobleme in den teuersten Städten Deutschlands bestehen bleiben.
Mit Blick nach vorn werden politische Entscheidungsträger und Marktteilnehmer die eingehenden Daten genau beobachten. Eine anhaltende Abschwächung würde einen Teil des sozialen und politischen Drucks rund um die Wohnkosten lindern, aber jede Umkehr der wirtschaftlichen Bedingungen oder erneute Verknappung des Angebots könnte die Mieten schnell wieder in die Höhe treiben. Vorläufig lautet die Botschaft vorsichtig: Die Mieten steigen weiterhin, aber Mieter sagen zunehmend nein, danke zu großen Erhöhungen.
