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BörsenBlick Markteinblicke

Auf einen Blick
- •Entscheidungsträger versuchen, privates Kapital zur Finanzierung öffentlicher Infrastruktur zu mobilisieren, aber die politische Lenkung von Investitionen birgt das Risiko, Renditen zu verringern.
- •Kenfo, der Fonds, der Vermögen für die Entsorgung radioaktiver Abfälle verwaltet, ist für langfristige, diversifizierte und renditeorientierte Anlagen konzipiert; die Auferlegung strategischer politischer Ziele könnte Konflikte erzeugen.
- •Öffentliche Fonds, die Renten oder langfristige Verbindlichkeiten bedienen, sollten Renditen und die Abstimmung mit Verbindlichkeiten Vorrang vor haushaltsmäßiger Entlastung geben.
- •Politische Ziele werden besser durch transparente haushaltliche Programme erreicht als durch die Änderung der Anlagevorgaben treuhänderischer Fonds.
- •Klare Governance und professionelle Verwaltung sind entscheidend, um Begünstigte zu schützen und eine effiziente Kapitalallokation aufrechtzuerhalten.
Mehr privates Kapital für öffentliche Aufgaben, aber nicht auf Kosten der Renditen
Die politische Führung Deutschlands ist zunehmend geneigt, sich auf die Kapitalmärkte zu stützen, um öffentliche Infrastruktur und andere staatliche Bedürfnisse zu finanzieren. Die Mobilisierung privaten Kapitals ist prinzipiell ein sinnvolles Ziel, aber sie muss mit Vorsicht erfolgen. Entscheidungsträger und ihre Berater scheinen mitunter überzeugt, dass eine politische Lenkung von Investitionsströmen Geld zuverlässig in Bereiche von strategischem öffentlichem Interesse leiten wird. Dieses Vertrauen ist fehl am Platz, wenn es zu Lasten langfristiger Renditen und eines soliden Risikomanagements geht.
Der Beirat für Investition und Innovation von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) legte in seinem ersten Monitoring-Bericht Empfehlungen dar, wie Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur besser eingesetzt werden könnten. Der Bericht nennt Kenfo, den Staatsfonds, der Vermögen für die Entsorgung radioaktiver Abfälle verwaltet, als Beispiel für einen öffentlichen Kapitalpool, der strategischer genutzt werden könnte. Die Berater schlagen vor, dass Zuordnungen in Richtung politischer Prioritäten wie Energie und Verteidigung gesteuert werden sollten, und vermerken, dass nur ein kleiner Anteil des Fondsvermögens in Deutschland investiert ist.
Dieser Vorschlag verkennt Zweck und Beschränkungen von Fonds wie Kenfo. Kenfo verfolgt eine renditeorientierte Strategie, die auf über mehrere Jahrzehnte angelegte Horizonte und regelmäßige Ausschüttungen an den Bundeshaushalt ausgelegt ist. Sein Portfolio ist breit diversifiziert und international ausgerichtet, um Risiko und erforderliche Renditen auszugleichen. Würde ein solcher Fonds dazu gebracht, explizite politische Ziele zu verfolgen, entstünden Konflikte: Die Rendite, die benötigt wird, um langfristige Verpflichtungen zu erfüllen, könnte kurzfristigen politischen Zielen untergeordnet werden, und die entgangenen Renditen würden nicht einfach verschwinden sie würden dort fehlen, wo sie am meisten gebraucht werden, zum Beispiel zur Finanzierung künftiger Verbindlichkeiten.
Kenfo ist nur eine Veranschaulichung eines breiteren Prinzips. Deutschland erwägt generell weiterreichende Verschiebungen hin zu kapitalgedeckten Modellen für Renten und möglicherweise die Langzeitpflege. Wenn der öffentliche Sektor zunehmend Verwalter privater Altersvorsorge wird oder standardisierte private Rentenprodukte anbietet, muss die Priorität auf der Sicherung von Altersvorsorgerenditen liegen und nicht darin, diese Mittel als Hintertür zu nutzen, um den Bundeshaushalt zu entlasten. Politisch mandatgetriebene Asset-Allokation birgt das Risiko, Investitionsanreize zu verzerren, die Effizienz der Kapitalallokation zu verringern und letztlich die Begünstigten zu schädigen, denen die Fonds dienen sollen.
Öffentliche Kapitalpools können und sollten Teil der Finanzierung moderner Infrastruktur sein. Die erste Regel für jedes Vehikel, das Renten- oder intergenerationelle Verpflichtungen trägt, ist jedoch, Kapital im Einklang mit seinen ausgewiesenen Verbindlichkeiten zu erhalten und zu vermehren. Das erfordert professionelle, renditeorientierte Verwaltung und klare Brandschotten gegen kurzfristige politische Eingriffe. Politische Ziele können durch gezielte Programme verfolgt werden, die transparent aus dem Haushalt finanziert werden, nicht durch die Umgestaltung von Anlagevorgaben, die die treuhänderische Pflicht gefährden.
Kurz gesagt: Privates Kapital für öffentliche Zwecke mobilisieren, ja aber Hände weg von politischen Anlagevorgaben, die Renditen aufgeben und die Kapitalmärkte verzerren würden.



