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BörsenBlick Markteinblicke
Die Schwäche in der Wirtschaft kann nicht länger ignoriert werden

Auf einen Blick
- Die Bewertungsmultiplikatoren des S&P 500 (KGV und Shiller-KGV) liegen nahe oder über den Niveaus der DotCom-Blase.
- Die Ertragsrendite des Marktes liegt bei etwa 3.16% und damit nun unter der Rendite der 10jährigen Staatsanleihe (~4.5%), was festverzinsliche Anlagen relativ attraktiver macht.
- Unternehmensentlassungen, steigende Insolvenzen, schwaches Verbrauchervertrauen und anhaltende Inflation weisen auf eine wirtschaftliche Abschwächung hin.
- Der Autor hat das Portfolio in DeepValue- und rezessionsfreundliche Positionen verlagert und die Margin-Exponierung deutlich reduziert.
- Anleger sollten Unternehmen mit starken Cashflows und geringer Verschuldung bevorzugen und in die zweite Hälfte des Jahres 2024 eine vorsichtige Haltung einnehmen.
Marktanalyse
Der US-Aktienmarkt ist auf Optimismus eingepreist, aber mehrere harte Datenpunkte sprechen dafür, dass sich Anleger auf eine härtere Realität vorbereiten sollten. Der S&P 500 wird zu historisch erhöhten Bewertungsmultiplikatoren gehandelt: sowohl das nachlaufende KGV als auch das zyklisch bereinigte (Shiller-)KGV liegen nahe oder über den zuletzt während der DotCom-Blase gesehenen Niveaus. Dieses aufgeblähte Bewertungsumfeld ist wichtig, weil es die Messlatte für zukünftige Renditen anhebt und Aktien verwundbar macht, falls die Gewinne enttäuschen oder das Wirtschaftswachstum sich verlangsamt.
Ein klares Signal kommt von der Ertragsrendite des breiten Marktes, die jetzt bei etwa 3.16% liegt. Diese Rendite liegt deutlich unter der Rendite der 10jährigen Staatsanleihe, derzeit bei ungefähr 4.5%. Wenn die Ertragsrendite von Aktien gegenüber renditefreien Staatsanleihen um ein solches Ausmaß zurückbleibt, wird festverzinsliches Papier vergleichsweise attraktiver, und die implizite Risikoprämie für das Halten von Aktien schrumpft.
Wirtschaftliche Fundamentaldaten und Positionierung
Über die Bewertung hinaus deuten eine Reihe wirtschaftlicher Indikatoren auf sich verschlechternde Fundamentaldaten hin. Unternehmen kündigen weiterhin Entlassungen an und restrukturieren ihre Belegschaften. Insolvenzanmeldungen nehmen in mehreren Sektoren zu. Messgrößen des Verbrauchervertrauens bleiben schwach, obwohl die Inflation vom Höchststand nachgelassen hat, bleibt sie doch hoch genug, um die Kaufkraft der Haushalte zu schwächen. Zusammen genommen deuten diese Trends darauf hin, dass das Wachstum schwächer ist, als die Schlagzeilen beim BIP vermuten lassen, und dass die Unternehmensgewinnmargen gefährdet sein könnten.
Als Reaktion auf dieses Umfeld habe ich mein Portfolio maßgeblich umpositioniert. Mein Fokus hat sich auf DeepValue-Titel und Anlagen verlagert, die typischerweise in Rezessionen oder Phasen langsamen Wachstums besser abschneiden. Ich habe die Margin-Exponierung drastisch reduziert, um Verluste zu begrenzen, und lege bei der Titelauswahl besonderen Wert auf Bilanzstärke und Cashflow-Resilienz. Angesichts des Bewertungsumfelds und der oben diskutierten wirtschaftlichen Signale fordere ich Anleger auf, beim Übergang in die zweite Hälfte des Jahres 2024 extreme Vorsicht walten zu lassen.
Für diejenigen, die zusätzliche Orientierung suchen, betreibt der Autor Crude Value Insights, einen wertorientierten Newsletter, der Cashflows und inneren Wert insbesondere im Öl- und Gasbereich mithilfe eines von Ben Graham inspirierten, konträren Ansatzes analysiert.
Fazit
Hohe aggregierte Bewertungen, die Inversion der Ertragsrendite von Aktien gegenüber der 10jährigen Staatsanleihe und sich verschlechternde mikro- und makroökonomische Indikatoren zusammen sprechen dafür, dass der Markt erhebliche Risiken trägt. Anleger sollten das Portfoliorisiko neu bewerten, Unternehmen mit starken Cashflows und geringer Verschuldung bevorzugen und defensive Allokationen in Betracht ziehen, bis klarere Zeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung auftreten. Umsicht, nicht Übermut, ist die vernünftige Haltung für die kommenden Monate.



